kleiner - normal - größer

Zu meiner Person

Kassandra Ruhm

Auf die Welt gekommen bin ich 1970.
Mitte der 80-er Jahre wurde ich Feministin und Linke. Ich erkannte "Normalität" und "Funktionieren" nicht mehr als meinen Wertmaßstab an und versuchte, aus verschiedenen gesellschaftskritischen Blickwinkeln die Welt etwas schöner zu machen.
Im 3. Semester meines Psychologie-Studiums wurde ich aufgrund einer schweren Erkrankung "behindert".
Nach viel zu viel Ärger und Erschwernissen durch die Sozial-Behörden konnte ich einige Jahre später die Fortsetzung meines Studiums doch noch durchsetzen.

Als ich mit Rollstuhl in die Welt zurück kam, aus der ich einige Zeit vorher herausgefallen war, war ich überrascht, wie seltsam sogenannte "Nichtbehinderte" oft mit mir umgingen. Nach ein paar Monaten habe ich begonnen, Texte zu schreiben, Kurse zu geben und Vorträge zu halten, um gegen das Unwissen und gegen die (sicher oft unbeabsichtigte) Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen anzuschreiben.
Später habe ich angefangen zu fotografieren, um dem gängigen Behindertenbild ein anderes, positiveres Behindertenbild entgegen zu setzen. Oder um einfach etwas Schönes zu machen.

Nach Abschluss meines Studiums habe ich in einem Frauentherapiezentrum gearbeitet.
Heute habe ich eine unbefristete Vollzeitstelle als Psychologin in einer Beratungsstelle. Meine jetzige Arbeit hat nicht speziell, sondern nur indirekt mit meinen "Lieblingsthemen" Frauen, sexualisierte und andere Gewalt, lesbisch-schwule und andere alternative Lebensformen, Flucht und Migration oder mit Behinderung/Nichtbehinderung zu tun. Aber ich bin dort trotzdem sehr glücklich.
Manchmal fehlt mir die Zeit als Vortragsreisende und Künstlerin. Aber man kann ja nicht alles Glück gleichzeitig haben.

Ausstellungen

1995 und 1996 erste Ausstellungen mit gemalten Bildern und Text-Bild-Kombinationen in Berlin und im Wendland
1998 - 2000 "Wer ist das Monster - du oder ich?" eine Bild-Foto-Text-Ausstellung über die gesellschaftliche Konstruktion von Behinderung aus feministischem Blickwinkel, in verschiedenen deutschen Städten
1998 Fotoausstellung "Frauen zweier Welten" über das Zusammenleben von Migrantinnen und deutschen Frauen im Stadtteil, Dortmund
1999 Wander-Fotoausstellung "schrei!" über schreiende Frauen und Mädchen, in verschiedenen deutschen Städten und in La Paz, Bolivien
2000 Wander-Fotoausstellung "Lieber lebendig als normal" über Frauen mit Behinderung, in verschiedenen Städten in Deutschland und Österreich

andere Weltverbesserungsversuche

seit 1994 Veröffentlichungen von Texten zu Themen in Zusammenhang mit gesellschaftlicher Konstruktion von Behinderung und zur Lebenssituation von Menschen, Frauen, Lesben und Schwulen mit Behinderung in verschiedenen Zeitschriften, Büchern und Schriftenreihen (z.B. im Coming-Out-Lesebuch aus dem Ariadne-Verlag, in den Beiträgen zur feministischen Theorie und Praxis, in der IHRSINN - eine radikal-feministische Lesbenzeitschrift, im Feminismusbuch „give the Feminist a cigarette“ der JungdemmokratInnen / Junge Linke,...).
seit 1994 Vorträge, Workshops und Lesungen zu den Themen: Frauen mit Behinderung, Lesben mit Behinderung, sexuelle Gewalt gegen Menschen mit Behinderung, Behinderung und Sexualität, gesellschaftliche Situation behinderter Menschen, Anti-Diskriminierungskurse für Nichtbehinderte.

seit 1994 und bis heute verschiedenste behindertenpolitische Aktivitäten
Neben einer Reihe von frei organisierten Aktionen war ich
4 Jahre Vorstand des Bundesweiten Forums der Krüppel- und Behinderteninitiativen, habe zwei regionale Krüppel-Lesben-Gruppen und das Krüppel-Lesben-Netzwerk (überregional für den deutschsprachigen Raum) mitgegründet und mich 4 Jahre als hauptverantwortliche Ansprechperson des Netzwerks engagiert. Mitgliedschaft in 3 weiteren überregionalen Netzwerken behinderter Frauen. In Tanja Musters Postkartenverlag „EntARTungen von Krüppel-Frauen“ sind Karten und Poster mit Motiven von mir erschienen.
13 Jahre lang habe ich mich im AK Protest und als Einzelperson für die Bremer Behindertenprotesttage und die Behindertenparlamente eingesetzt und 7 Jahre im Forum Barrierefreies Bremen mitgearbeitet. 2 ½ Jahre war ich Sprecherin einer behindertenpolitischen Gruppe beim DGB, der aber leider viel zu wenig Interesse am Thema zeigte, sodass ich meine Zeit danach lieber an anderen Orten investieren wollte.
1995-2000 freie Mitarbeit bei der behindertenpolitischen Zeitschrift "die randschau", Fotos und Texte
seit 1998 Mitorganisation von Veranstaltungen mit MenschenrechtsaktivistInnen aus verschiedenen Kontinenten über die Lebenssituation von Lesben und Schwulen in ihrer Heimat
seit 2006 Tanz (Rollstuhltanz und DanceAbility),
gleich mit einigen Auftritten live und in kleinen Filmen
2009 Ausbildung zur DanceAbility-Lehrerin bei Alito Alessi in Helsinki
2011 Gründung des inklusiven Tanzprojekts "bunter umso schöner tanzen"
seit 2013 Kurzfilme

...und dies und das mehr